Mittwoch, 11. April 2007

Alvorien SciFi - Story Log °1

Prolog

Gänzlich verborgen im Dunkeln näherte sich der schwere Rumpf der umgebauten Atranischen Fregatte langsam dem Dock 4.12 der Raumstation Weylin-1. Die gewaltigen Antriebe des mächtigen Schiffes dröhnten in die weite Leere des Alls und wurden allmählich schwächer, bis sie schließlich, zusammen mit der Erschütterung des finalen Dockmanövers, langsam erloschen und letztendlich, mit dem Öffnen der Schleuse, komplett verstummten.

Es war der 4. April 2707. Kathie Ira Pierce wischte sich erschöpft den Schweiß von der Stirn. Dies war ihr erstes Dockmanöver, das sie gänzlich ohne Hilfe absolviert hatte. Die Chefmechatronikerin des Raumschiffes mit dem Namen „Seventh“ atmete erleichtert aus und ließ das große Steuerpad[1] vorsichtig in die dafür vorgesehene Vorrichtung zurückfallen. Völlig erschöpft lehnte sich die Frau von 22 Jahren zurück und atmete schließlich erleichtert auf. Das rhythmische Klatschen im Hintergrund, das von der restlichen Crew herruhte, nahm sie kaum wahr. Sie war müde und froh darüber, dass sie sich selbst einmal mehr bewiesen hatte, dass sie zu mehr berufen war, als nur Technikerin der „Seventh“. Routinemäßig schaltete sie Triebwerk, Generator und Trägheitsdämpfer aus und setzte die Schiffssensoren herunter. Erst dann drehte sie sich um und blickte zufrieden auf die Gesichter ihrer Kameraden und Freunde. Erst jetzt legte sich die Anspannung in ihrem Gesicht und sie trat langsam vom Steuerpult herunter.

„Bravo, Kip. Wirklich nicht schlecht“, lobte sie ihr bester Freund an Bord bei ihrem Spitznamen. Arem Noah, den alle nur bei seinem Nachnamen nannten, klopfte ihr auf die Schulter. Der beste Pilot an Bord hatte sie alle schon oft aus brenzligen Lagen retten können und Kathie war froh ein Kompliment von ihm entgegennehmen zu können. Während er ihr überschwänglich gratulierte hielten sich die anderen beiden Crewmitglieder eher zurück. Von Relan Da’ek, dem Khegrir, konnte sie wirklich nicht mehr als ein anerkennendes Kopfnicken erwarten und so war sie umso stolzer, da sie ihm ein kurzes „Gut“ entlockt hatte. Doch das bescheidene Lob ihres Kapitäns, Thark Sagan, verwunderte sie doch stark. War er zusammen mit Noah, dann konnte dieser sich vor Lob kaum retten, doch dass er nun so zurückhaltend reagierte kam ihr verwunderlich vor. „Das war schon nicht schlecht Kip. Doch jetzt lasst uns keine Zeit verlieren, wir haben einen Auftrag abzuholen.“

Noah stattdessen sprach ihr einmal mehr aufmunternd zu: „Mach dir nichts draus, Thark muss sich jetzt nur damit konfrontieren, dass du bald genauso ein Hitzkopf werden könntest, wie ich. Du weißt doch, dass er immer noch zwei Tage nach meinen Flugmanövern in seiner Koje liegt und … naja, du weißt halt.“ Arem grinste breit und klopfte ihr ermutigend auf die Schulter. Er hatte recht, Thark hatte ganz sicher nichts böses im Sinne gehabt. Im Moment ging es halt einfach mehr um den Job – und der war jetzt einfach: diesen zwielichten Kerl namens Jax finden und endlich anhören, wie sein Auftrag lautete. Immerhin hatte er sie vor wenigen Tagen kontaktiert, er sei begeistert gewesen von ihren Leistungen als Freelancer und er habe einen ganz speziellen Auftrag, den sein Auftraggeber wiederum, ein Typ namens Fate, nur ihnen zutraue. Von Anfang an wussten sie, dass an diesem Auftrag zumindest ein, wenn nicht mehrere, Haken sein mussten, doch die Bezahlung, die der Mann angeboten hatte war verlockend und die Geldgier groß. Also fanden sie sich hier wieder, keine vier Tage später und auf der Suche nach einem neuen Abenteuer.

Log °1

„Muss er es denn immer so eilig haben?“ Kip sah Noah grinsend an. Sie wusste, dass er nicht der Ausdauerndste war wenn es ums Laufen ging und so machte sich ihr Kapitän immer wieder einen Spaß einen Gang zu zulegen. Heute allerdings schien es Thark außergewöhnlich eilig zu haben. Der Auftrag schien zumindest ihn brennend zu interessieren, sodass sie schon nach wenigen Minuten in der Eingangshalle und Bar der Station angekommen waren.

Es war der typische Aufbau einer Raumstation. Der mit Plastik und Metall verkleidete Raum bot ein paar raue Tische und unbequeme Stühle auf denen sich nur wenige Leute befanden. Die alten Lederbezüge waren rissig und abgenutzt und während der stämmige Barkeeper hinter der schmierigen Theke ein paar Gläser mit einem dreckigen Geschirrtuch putzte, rotierten die schweren Ventilatoren langsam und wühlten die rauchige Luft umher. Der Mann erwiderte den höflichen knappen Gruß des Kapitäns mit einem gezielten Spucken in den Spucknapf, der sich hinter dem Tresen verbarg. Die unangenehme Atmosphäre verdichtete sich, wenn man darüberhinaus auch noch den bizarren Existenzen, die hier versammelt waren, ins Gesicht schaute.

Kathie hingegen sah sich um. Sie hatte in der kurzen Zeit in der sie unterwegs waren schon viele merkwürdige Gestalten gesehen und einige waren noch zwielichter als diese. Zwei Personen fielen ihr ganz besonders auf: die Frau, die ihr Gesicht in einer dunklen Kapuze zu verbergen versuchte, war offensichtlich eine Khegrir – niemand sonst würde sich in einer solchen Spelunke so zu verstecken versuchen, der bärtige Mann war dahingegen wohl Mensch, wobei allerdings seine athletische Ausbildung zu wünschen übrig gelassen hatte. Beide machten keine Anstalten sich auch nur andeutungsweise zu bewegen, sodass Kathie spätestens das Interesse verlor, als der Mann begann sich von einem kleinen Spinnenroboter etwas Süßstoff in seinen Tee geben zu lassen. Natürlich interessierte sie Technik zwar, doch Künstliche Intelligenz war noch nie ihr Gebiet gewesen und sie hatte im Laufe der Zeit irgendwie eine Abneigung dagegen entwickelt.

Hätte Kathie gewusst, wie ähnlich sie in dieser Beziehung Chirara Raven, der Khegrirfrau unter der Kapuze, gewesen wäre, hätte sie wohl amüsiert den Kopf geschüttelt. Während sie sich stillschweigend in eine Ecke zurückgezogen hatte, wartete Kathie auf Thark, der bereits den Barkeeper nach ihrem Kontakt fragte. „Jax? Ja, den hab ich hier in letzter Zeit häufiger gesehen. Er sagte schon, dass er bald jemanden erwarte.“ Der Barkeeper nickte, antworte allerdings nur zögerlich. „Es wäre eine große Hilfe, wenn ihr mir sagen könntet, wo wir ihn finden“, bat ihn der Kapitän ruhig aber mit einer gewissen Ungeduld in seiner Stimme, woraufhin der Mann achselzuckend den Kopf schüttelte. „Ich habe keine Ahnung wo er wohnt – ich habe nie einen Grund gesehen ihn zu fragen.“ Der Barkeeper lächelte entschuldigend. Bevor sich Thark allerdings auch noch in Bewegung setzen konnte, kam bereits ein aalglatter gedrungener Kerl den Gang entlang auf sie zu. Es handelte sich um Jax, ihren Kontaktmann. Thark hob eine Augenbraue.

„Ich habe auch meine Informanten“, sagte Jax und lächelte ihren Kapitän finster an. Dann bot er ihnen einen Platz an und bestellte einige alkoholische Getränke.

Das folgende Gespräch war lang, sehr lang – und die einzigen Worte, die Chirara, die doch so angespannt zuhörte, aufschnappen konnte, ließen sie nur so viel erahnen: Es ging um den Auftrag einen gewissen Gegenstand, ein Amulett namens „Stern von Lojkil“, zu beschaffen. Viel Geld stand auf dem Spiel und anscheinend gab es noch andere, die hinter dem Amulett her waren.

Die Neugier der Khegrirfrau war geweckt. Langsam stand sie auf und ging unauffällig zur Theke. Sie winkte den Barkeeper heran und bestellte rasch per Handbewegung einen neuen Drink. Der Mann mit dem Geschirrtuch runzelte nur kurz missmutig die Stirn und folgte dann ihrer Bestellung, während sie selbst ihre Ohren spitzte und aufmerksam lauschte.

„‘Stern von Lojkil‘ also?“ fragte der Kapitän nach und wartete das Nicken seines Informanten ab. „Ich nehme mal an, der befindet sich auf demselben Planeten?“, hakte er nach und wurde mit einem abermaligen Nicken bestätigt. „Ganz recht. Euer Auftrag soll nur sein mir das Amulett zu bringen und das wäre es auch schon. Mein Auftraggeber wird euch dann mehr als fürstlich entlohnen.“ Noah schaltete sich ein: „Wo ist der Haken? Ich meine“, versuchte er seine Frage zu präzisieren, „wenn es so einfach ist ins Beta-System zu fliegen, auf Lojkil zu landen und den ominösen ‚Stern‘ zu holen, warum macht ihr es dann nicht selbst?“ Der zwielichte Mann wog seinen Kopf hin und her bevor er antwortete: „Sagen wir einfach es gibt mehrere Interessenten, die in den nächsten Monaten ebenfalls dort eintreffen werden.“ Er wandte sich wieder an den Kapitän: „Also, nehmt ihr den Auftrag an, oder lasst ihr es bleiben?“

Die Crewmitglieder sahen sich einen Augenblick an, während Chirara unauffällig einen Schluck aus ihrem Becher nahm und interessiert lauschte. Dann nickte Thark still und Jax nahm langsam einen Zettel aus seiner Jackentasche, den er dem Kapitän zuschob. „Sie erreichen mich über dieses Quartier hier auf Weylin-1. Viel Glück dann und melden sie sich, sobald sie den Stern haben.“ Damit verabschiedete sich der Informant und sobald er außer Sichtweite war, atmete Kathie auf. Ihr war das Ganze nicht geheuer gewesen, was sie sogleich den anderen erzählte: „Mir gefällt das alles nicht“, begann sie, „Wie sollen wir bitte ohne gültige Passcodes unbemerkt ins Beta-System gelangen?“ Die Chefmechatronikerin verschränkte ihre Arme vor der Brust und lehnte sich in ihren unbequemen Stuhl. „Wir werden uns wohl umhören müssen“, sagte Thark, wurde aber jäh von seinem Khegrir Kameraden unterbrochen: „Ich denke das wird nicht unbedingt nötig sein“, sagte er und ein finsteres Lächeln zierte sein Gesicht, „Genug Leute hören uns schon zu.“ Dabei deutete er mit dem Kopf auf Chirara, woraufhin sich die Crew zu der Frau umdrehte, die ihn nun mit einem undefinierbaren Lächeln zuprostete. Zur gleichen Zeit wandte sich auch Brend Tarnarport, der ebenfalls stillschweigend dem Gespräch gelauscht hatte, um und begann den Kapitän anzusprechen: „Ich hörte etwas von ‚Beta-System‘ – und in der Tat, ihr redet ziemlich laut – Was für Passcodes benötigt ihr?“ Er grinste.

Der etwas überraschte Kapitän hingegen wandte sich zunächst an seine Mannschaft, bevor er auf die beiden Fremden einging. Während Noah in Richtung Schiff lief, bezahlte Kip dem Barkeeper ihre Getränke und Relan Da’ek ging hinüber zu Chirara.

„Nun, wie ihr zweifellos wisst“, begann Thark, „benötigt man zum Passieren der Sprungtore, die die Galaxien für einfache Menschen wie uns verbinden, autorisierte Passiercodes, die wir leider nicht unser eigen nennen.“ „Sicher“, antwortete Brend und lächelte den Kapitän an, „Um sich vor illegalen Einreisenden zu schützen – normalerweise ist das kein Problem. Eben nur für Leute, die sich nicht unbedingt mit der Neuen Order angefreundet haben.“ Der Kapitän nickte und schenkte Brend daraufhin ein ebenso undefinierbares Lächeln wie vorher Chirara.

Währenddessen nahm auch das Gespräch zwischen den beiden Khegrir seinen Lauf. „Kelgham Tor“, begrüßte Relan Da’ek die Frau in der Grußformel seines Volkes. „Kelgham Tor“ erwiderte es Chirara Raven respektvoll, woraufhin Relan seine Frage stellte: „Ihr könntet uns nicht zufällig bei unserem kleinen Problem helfen?“, fragte er höflich aber bestimmt. „Möglicherweise“, antwortete sie, „Ich denke darüber lässt sich reden.“ Derweil setzte das Gespräch mit Brend fort. „Also, was habt ihr anzubieten?“, fragte Thark den alten Mann, der kurz seine Worte zu ordnen schien.

„Nun ja, ich weiß zwar nicht, wie hoch die Codes momentan gehandelt werden, aber auch wenn man es mir momentan nicht ansieht, bin ich Toraner, ein Einwohner des Planeten Tor, und ich habe ohnehin vor meiner alten Heimat im Beta-System mal wieder einen Besuch abzustatten. Wenn ihr mich also als Fluggast mitnehmen würdet, hättet ihr zunächst einen augenscheinlichen Grund euch im Betasystem aufzuhalten.“ Der Kapitän lächelte: „Nun, leider besteht da noch das Problem, dass man um an die Passcodes zu kommen legitim hier im All unterwegs sein muss. Ein Zustand dessen wir uns nicht erfreuen. Aber wenn ihr uns zudem noch finanziell unterstützen könnten, dann nehmen wir euch mit Freuden mit und setzen euch im Beta-System ab.“ Er lächelte abermals und wartete auf Brends Antwort, während zwischen den beiden Khegrir in etwa dasselbe Gespräch ablief. Chirara Raven ließ es sich nicht anmerken, doch innerlich war sie erleichtert. Wohlmöglich hatte sie hier die fähigen Leute vor sich, die sie aus diesem vermaledeiten System herausbringen konnten.

Relan traf in dieser Hinsicht nun voll ins Schwarze: „Ihr hättet nicht Interesse an einer Gelegenheit von dieser Station wegzukommen? Wie mein Kapitän schon sagte: Mit ein wenig finanzieller Unterstützung ließe sich sicher einrichten, dass wir alle aus diesem System wegkommen könnten.“

Chirara Raven hob amüsiert eine Augenbraue: „Wie kann man hier nicht wegkommen wollen?“ meinte sie schmunzelnd, bevor sie einen weiteren Schluck aus ihrem Becher nahm. „Nun gut, ich denke was das Finanzielle angeht, lässt sich sicher etwas machen.“ Sie lächelt unbestimmt, was Relan mit einem zurückhaltenden Nicken quittiert.

Während Brend noch überlegte, wandte sich Thark an Kathie und Arem, die beide gerade wiederkamen und sich gerade setzen wollten: „Kip, Noah, ihr macht das Schiff startklar. Wir wollen uns doch diese Belohnung nicht durch die Finger gehen lassen, oder?“ Er lächelte, während die beiden anderen die Augen verdrehten. Entnervt von der ständigen Hetzerei machten sie sich erneut auf den Weg zurück zum Schiff. Sie hatten zwar gewusst, dass es nur ein kurzer Aufenthalt werden würde, dass es jedoch so kurz wäre, hätten sie nicht erwartet.

Der Khegrir deutete derweil eine Verbeugung an: „Mein Name ist Relan Da’ek. Ich würde es begrüßen, wenn ihr schon gleich bereit wärt aufzubrechen.“ Chirara schmunzelte. Dann neigte die Frau ebenfalls den Kopf und erwiderte höflich: „Chirara Raven. Und ich würde es meinerseits begrüßen, wenn ich euch begleiten dürfte.“ Nach diesen Worten spielte ein Lächeln um ihre Lippen, bevor sie die Kapuze wieder überzog und ihren kleinen Rucksack, in dem sich ihre wenigen Habseligkeiten befinden, schulterte.

Indes war Brend zu einer Antwort gekommen. Langsam und behutsam sortierte er noch einmal seine Worte und antwortete dem Kapitän dann auf seine lange vorher gestellte Frage: „Ich habe leider nicht so viel Geld, das ich euch anbieten könnte, aber wenn ihr noch einen hervorragenden Techniker an Bord gebrauchen könntet, dann könnte ich noch heute die Zelte abbrechen.“

„Gut“, antwortete Thark knapp und erhob sich, woraufhin ihm Relan zunickte und Chirara in Richtung Dock 4.12 geleitete. „Wenn Sie bereit sind, dann packen Sie ihre Sachen und wir fliegen los. Wir warten auf Sie auf der ‚Seventh‘. Ach, und wie ungehobelt von mir: Mein Name ist Thark Sagan, Kapitän des Schiffes.“ Er streckte die Hand aus, die Brend verhalten ergriff. „Nun, Kapitän, und wie genau verhält es sich nun mit meiner Bezahlung an euch?“, fragte der Toraner noch einmal, woraufhin Thark nach kurzem Überlegen antwortete. „Ich denke ich werde euch für die Dauer unseres Auftrags anstellen. Das dürfte nur fair sein, denke ich. Danach können wir euch immer noch auf Tor absetzen.“ Er lächelte und schritt dann in Richtung Dock. „Vier-Zwölf!“, rief er dem Techniker noch einmal die Nummer des Landedocks zu, woraufhin dieser eher schwach ein „Ja, bis gleich“ hinterherwarf und sich daraufhin ebenfalls erhob, um sich zu seiner Wohnwerkstatt aufzumachen.

Langsam und ziemlich selbstsicher ging der Khegrir Relan Da’ek an den Menschen der Station vorbei, die ihn und seine Begleitung mit Argwohn beschauten, sich aber nur selten oder gar nicht trauten ihnen leise Verwünschungen entgegenzuwerfen. Chirara hat Mühe Relan nicht einfach zu überholen, da sie es gewohnt war noch um einiges schneller zu laufen als er. Unter dem augenscheinlichen Schutz des Mannes, augenscheinlich deshalb, da sie diesen nicht benötigt hätte, wird Chirara Raven schließlich zu Dock 4.12 geleitet, wo auch schon die beiden anderen, Kathie und Arem, warteten.

„Darf ich vorstellen: Chirara Raven.“ Relan Da’ek präsentierte die Frau kurz und gab dann den Zugangscode ein, der die Luke öffnete.“ Der Kapitän wird auch gleich kommen“, sagte er, während sich die anderen beiden höflich vorstellten. „Arem Noah“ sagte Arem und streckt ihr seine Hand entgegen. Die Frau neben ihm lächelte kurz verhalten und hebt kurz die Hand zum Gruße. „Kathie. Nennt mich Kip“, sagte sie knapp und folgte Relan sogleich über die offene Luke, während Arem noch wartete. „Arem und Kip,“ resümierte Chirara laut und nickte dann. „Freut mich euch kennen zu lernen, Arem und Kip.“

„Nur Noah“, erwiderte Arem noch und betrat dann die Gänge der ‚Seventh‘. Chirara holte kurz Luft, denn endlich würde sie von dieser Station herunterkommen, und trat dann ein.

Brend schob seine Zugangskarte in den dafür vorgesehenen Schlitz, woraufhin sich die Tür zu seiner Werkstatt öffnete. „Kublue? Hast du die Sachen schon bestellt?“, fragte er den Roboter, mit dem er vorhin in der Bar einige Skizzen für weitere Erfindungen gezeichnet hatte, woraufhin dieser bestätigend und stolz piepste. „Dann bestell sie wieder ab“, sagte er und lächelte entschuldigend. „Und ihr anderen: packt euch ein, es geht auf große Reise.“ Einen Moment lang herrschte abwartende Stille. „Na los!“, rief Brend ermutigend, woraufhin sich alles in Gang zu setzen schien. Sofort brach wildes Gewusel in der Werkstatt aus und unzählige kleine und mittelgroße Roboter begannen gemeinsam mit Brend die Werkstatt zusammen zu räumen und sich danach selbst in Galactic Industrial Standard (GIS)-Kisten zu verpacken. Derweil kam langsam und still aus einer dunklen, unüberschaubaren Ecke der Werkstatt der Kopf eines humanoiden Roboters im Zwielicht zum Vorschein und fragte: „Brend? Wirst du mich auch mitnehmen?“

Der alte Mann drehte sich um und schenkte dem Roboter ein warmes Lächeln und ein bestätigendes Nicken. „Natürlich. Ich gehe doch nicht ohne dich“, sagte er, während er langsam ein paar Habseligkeiten einpackte. Der humanoide Roboter, der nur Kopf, Arme und Torso besaß, krabbelte aus einem dunklen Winkel der Werkstatt auf Brend zu. Er war aus einer sehr frühen Baureihe von Robotern und besaß vermutlich schon Seltenheitswert unter Raritätensammlern, da fast alle dieser Reihe bereits unlängst eingeschmolzen waren.

Die ‚Seventh‘ unterschied sich nicht sehr von der Raumstation oder von anderen Raumschiffen ihrer Art. Metall und enge Gänge so weit man sehen konnte. Natürlich in einem eigenen, schmutzig freundlichen Stil, doch immer noch ein äußerst künstliches Geschöpf, das es von Crew und Gästen zu bändigen galt. Dreckige und kaputte Lampen, Rost an vielen, Löcher an wenigen Stellen, zischende Rohre, deren Dampf unter dem wackligen Laufgitter fortströmte und einige Verkleidungsplatten, die schon an den Stellen abmontiert waren, wo noch viel Arbeit anstand. Nach einem kurzen Gang ins Innere des Schiffes teilte sich schließlich der Weg. Während der Kapitän und Noah in Richtung Bug liefen, bedeutete Relan der Khegrirfrau ihm und Kip nach Achtern zu folgen.

Brend kam bald darauf gefolgt von einigen hinterher rollenden GIS-Boxen und einem humanoiden Roboter, der auf einer der Kisten saß, bei Dock 4.12 an und sah sich um. Kurz darauf hörte er ein Klappern und Klicken woraufhin sich die verschlossene Luke wieder öffnet und ihm das Gesicht von Noah entgegenblickte, der ihn einlud einzutreten. „Bitte sehr“, sagte er freundlich und half ihm kurz beim Eintreten. Der junge Mann zeigte kurz nach Achtern und sagte, während er selbst schon wieder auf dem Weg zum Cockpit war: „Frag Relan nach deinem Raum“, woraufhin er wieder hinter einer Biegung verschwand. Brend zuckte mit den Achseln, lies seine Kisten an sich vorbeiwuseln und schloss die Luke wieder, während der humanoide Roboter Noah mit seinen dunklen Kameralinsen still hinterher sah. Obwohl, oder vielleicht gerade weil er so ein altes Modell war, wirkte er seltsam und beunruhigend lebendig.

Relan fand er vor einer Zimmertür, die sich gerade wieder schloss. Er hatte soeben Chirara ihren Raum vorgestellt und sie mit einem knappen „Hier ist es“ eingewiesen. Das Zimmer, das man ihr zugewiesen hatte, schien erst vor kurzem frei geworden zu sein – und das wohl nicht ganz unter Einverständnis des Bewohners. Ein zerwühltes Zwei-Etagen-Bett stand direkt neben einem kleinen Tisch, auf dem noch einige private Gegestände lagen. Ein Schrank in der Ecke und eine funzelige Lampe an der Decke sind das einzige was sich, außer einem wackligen Stuhl, sonst noch in diesem Raum befand. Wenigstens gab ein kleines rundes Fenster einen Ausblick nach draußen in die Weiten des Alls, sodass der winzige Raum nicht ganz so eng wirkte.

Der Khegrir sah sich langsam um, als die Armee aus Brend und seinen Robotern auf ihn zustürmte: „Relan, Relan. Da sind Sie ja endlich! Man sag-“ Brend wurde jäh unterbrochen. „Folgen sie mir“, sagte er knapp, ohne dass ihn das wuselige Gerät weiter zu interessieren schien. Letztlich blieb er neben einem Raum weit hinten im Schiff stehen. Wenige Meter weiter schien außerdem der Maschinenraum zu sein, denn das allgemeine Surren der Motoren war hier noch etwas lauter. „Das hier“, sagte er, „ist ihr Quartier.“ Der Khegrir drehte sich um und machte sich nun ebenfalls auf in Richtung Cockpit.

Chirara Raven schloss die Tür hinter sich, wunderte sich nur kurz über die Situation und fing sogleich an die Sachen ihres Vorgängers in ein Fach im Schrank zu stecken, um danach ihre eigenen Dinge zu deponieren. Erschöpft aber zufrieden ließ sie sich auf das Bett fallen und schaute sich um. Sie vergewisserte sich noch einmal, dass die Tür zu war und zog dann ihren Mantel aus. Die ledrigen Flügel, die sie darunter versteckt gehalten hatte, eine seltene genetische Khegrir Erweiterung, streckt sie so weit wie möglich und faltet sie daraufhin wieder sorgfältig ein. Sie legt sich den Mantel über die Schultern und schmunzelt in Anbetracht der winzigen Kabine. Das würde ein äußerst langer Flug werden…

Brend öffnete langsam die Zimmertür und ließ seine Roboterfreunde hinein. Das Zimmer sah genauso aus, wie das von Chirara und war lediglich etwas größer und aufgeräumter, als ihres. Es besaß nur ein einstöckiges Bett und dafür einen größeren Tisch auf dem Brend wohl gut zeichnen und arbeiten könnte. Der Mann öffnete die Kisten und richtete sich ein, während sich der humanoide Roboter rasch unter das Bett krabbelte und im Schatten liegenblieb, sodass lediglich seine herausschauenden Kameraaugen zu sehen waren.

„Faltet die GIS-Kisten zusammen und macht’s euch gemütlich, Kinder“, sagte Brend ruhig und setzte sich auf sein Bett. Das wilde Wuseln, das sich nun wieder breit machte war er gewohnt. Auf dem Schoß eine kleine Kiste mit einigen Schreibtischutensilien richtete er sich langsam ein.

Dann wackelte das Schiff kurz unter einer Erschütterung. Es schien sich vom Dock gelöst zu haben, denn nun gingen auch die Motoren an. Unter einem mehr oder weniger lauten Maschinensurren entfernte sich das Schiff langsamvon der Station. Neugierig blinzelte der Roboter umher: „Wohin fliegen wir, Brend?“, fragte er wissbegierig, woraufhin sich wie gerufen die Schiffslautsprecher einschalteten und Brend, der gerade im Stande war zu antworten, unterbrachen:

„Hier spricht Kapitän Thark Sagan. An unsere neuen Gäste ein herzliches Willkommen an Bord der ‚Seventh‘. Sie können sich jederzeit auf dem Schiff frei bewegen und sind lediglich nachts, während Notsituationen und anderen Sonderfällen angewiesen in ihren Quartieren zu bleiben. Unser Ziel ist Prime, wo wir hoffen ihr Geld in unsere Codes umtauschen zu können. Machen sie es sich gemütlich und genießen sie ihren Flug.“

Brend lächelte, während sich die Anlage mit einem Klick wieder ausschaltet. „Bald mein Freund, bald. Bald geht es heim. Zurück ins Beta-System…“



[1] als Alternative zu „Steuerhorn“, dem eigentlichen deutschen Begriff. Der Dank für die Idee gilt Dengar :)

Samstag, 7. April 2007

Datenbankzugriff: Weiterführende Informationen

Umgangssprachliche Bezeichnungen der Völker
Während die Neue Order das Privileg genießt sich weiterhin als "Menschen" zu bezeichnen, denn immerhin gehen sie keiner künstlichen Veränderung des Körpers nach, nennt der Volksmund die Menschen der NTPC (die man an ihren technischen Verbesserungen erkennt) knapp "Technokraten", "Proximer" oder (beim etwas älteren Begriff) "Centaure". Sieht man einen sogenannten "Atraner", die man auch "Rebellen", "Ausgestoßene", "Aufständische", "Abtrünnige" oder bei anderen netten Namen nennt, mit seinen leuchtend blauen Augen, wird man sich wohlmöglich in den Randsystemen auf einer neutralen Station befinden oder aber in einem System der NTPC, die keine aktive Atraner-Verfolgung betreibt, so wie die Neue Order.
Letztendlich sind da noch die "Khegrir", die man natürlich an ihren Tätowierungen erkennt und zusätzlich zu ihrem echten Namen des öfteren als "Mutanten" beschimpft.

Man unterscheidet also in "Menschen" (Neue Order), "Atraner" (Radikale Atranische Partei / Atranische Republik), "Technokraten" (Neue Technokratie Proxima Centauri) und "Khegrir" (Khegrir).

Montag, 2. April 2007

Datenbankzugriff: Die "Rassen"

Im Jahre 2707 gibt es vier verschiedene Rassen, die sich aus dem ursprünglichen Mensch entwickelt haben. Aufgrund von Umwelteinflüssen und künstlichen Eingriffen ähneln sie zwar dem Menschen, ihre Genstruktur ist jedoch sehr unterschiedlich. Die Menschen aus unserer Zeit existieren schon lange nicht mehr. Stattdessen gibt es die Menschen der Khegrir, der Neuen Order, der Neuen Technokratie Proxima Centauri (kurz: NTPC) und des Planeten Atra.
Sie unterscheiden sich folgendermaßen vom ursprünglichen Menschen und untereinander:

Khegrir
Die wohl am meisten veränderte Rasse, die aus den Minenarbeitern der Merkurkolonie entstanden sind, zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit aus, da es sowohl die einen gibt, die den Menschen aufs Haar ähneln und die anderen, die durch genetische Verbesserungen Kiemen, mehrere Arme oder Flügel sowie mehr Kraft und größere Schnelligkeit erreicht haben. Man kann sie doch immer an ihren Tätowierungen erkennen, die die Minenabteilung ihrer Vorfahren bezeichnen. Diese Tätowierungen werden weiterhin genetisch weitergegeben und jeder Khegrir besitzt eine kleine Tätowierung, die einmal um sein linkes Auge geht und ihn so kennzeichnet.
Denn Khegrir sind nicht gerne in den inneren Systemen gesehen, da das Eingreifen in den Geburtszyklus, um „Verbesserungen“ vorzunehmen, als ethisch verwerflich gilt.

Neue Order

Die Neue Order ist eine Militärregierung, die direkt aus der Weltregierung der Erde hervorgegangen ist. Dementsprechend „normal“ sehen die Menschen ihrer Welten aus. Da die Soldaten eine sehr harte Ausbildung durchlaufen sind sie dementsprechend trainiert, haben aber keinerlei künstliche Eingriffe nötig. Sie ähneln den Menschen der Erde sehr und unterscheiden sich lediglich in zwei Punkten von ihnen. Zum einen die DNA, die sich aufgrund der anderen Lebensbedingungen sehr verändert hat, zum anderen die Fruchtbarkeit, die unglücklicherweise sehr zurückgegangen ist.

Man ist sich noch nicht im Klaren, was es verursacht, doch ist die Neue Order auf Verbindungen mit der NTPC angewiesen, um ihren Fortbestand zu sichern.

NTPC

Die Neue Technokratie Proxima Centauri ist das technisch versierteste Volk, das bereits im Kindesalter mithilfe von Nanobots die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers steigert. Auch hier gibt es unterschiedliche Stufen von Verbesserungen, was bedeutet, dass einerseits diejenigen existieren, die außer den Nanobots zur Lebensverlängerung keine weiteren Verbesserungen vornehmen, andererseits aber auch diejenigen existieren, die ihr gesamtes Skelett durch komplexe Stahlendoskelette verstärken lassen und zusätzliche Exoskelettanzüge tragen. Auch der „Einbau“ einer künstlichen, leistungsfähigeren Lunge, der Einbau eines künstlichen Auges (mit Infrarot- oder Nachtsichtoptik) oder gar künstliche Kiemen sind möglich.

Vor allem zeichnen sich die Menschen der NTPC jedoch durch ihre beiden Kontrollgeräte aus. Eines am Handgelenk und ein Ersatzgerät auf der Brust vorm Herzen, sichern die Kontrolle über die Nanobots und erleichtern die Wartung. Vor allem aber dienen sie dazu die Bots für kurze Zeit zu Höchstleistung anzuspornen und die Leistungsfähigkeit des Technokraten bis an seine Grenzen zu steigern. Dies kann und wird gerne von manchen (meist jungen) Menschen ausgenutzt um im Stadium des völligen körperlichen Zusammenbruchs in eine Art Rauschzustand zu fallen, ist aber auch vor allem nützlich, um sich gegen die anderen stärkeren Völker zur Wehr setzen zu können.

Atraner

Ein Grund warum die Atraner keinerlei Möglichkeit haben sich zu verteidigen ist die Tatsache, dass sie über keinerlei fortschrittliche Technologien verfügen. Viele neigen dazu die Atraner schon als aussterbendes Volk zu betrachten, denn spätestens mit dem Zusammenbruch des Sonnensystems wird der ehemalige Mars, ihr bisher einziger Planet, zerstört werden und sie mit ihm.

Und während die Khegrir roh und grobschlächtig meist blind für die Feinheiten des Krieges sind und die NTPC sich gerne aus allem heraushält, stehen sie der Neuen Order in nichts nach, forschen so gut sie es können nach günstigen neuen Technologien und feilen an Fluchtplänen für ihren Planeten.

Der Vorteil den sie dabei haben ist ihr sechster Sinn für Gefahren, der sich in beinahe jeder Situation auszeichnet. Während nämlich die Soldaten und Piloten der Neuen Order auf lange Ausbildungen angewiesen sind, scheint den Atranern das Fliegen in die Wiege gelegt.

Ob es nun Glück ist oder nicht ist im Endeffekt egal, denn auch wenn ein Atraner es schafft von Atra zu fliehen (und das passiert gar nicht selten) wird er irgendwann anhand seiner leuchtenden blauen Augen identifiziert (ein Merkmal des Lebens in Dunkelheit und zwischen Merkurium auf dem Mars) und ausgeschaltet, bevor die Göttliche Fügung oder das Glück eingreifen kann.

Datenbankzugriff: Crew

'Colonel' Thark Sagan
'Major' Arem Noah
'Petty Officer 1st Class' Kathie Ira Pierce (genannt 'Kip')
Relan Da'ek

Anmerkung: Bis auf Relan Da'ek, der Khegrir ist, sind alle Crewmitglieder ehemalige Soldaten der Neuen Order.